Besondere Tage | Geburtstage, Todestage & Jahrestage bewusst gestalten
Shownotes
Besondere Tage – der Todestag, der Geburtstag, ein Feiertag oder ein Jahrestag – stehen Trauernden oft lange bevor. Jeder Schritt, der in ihre Richtung führt, fühlt sich schwerer an als der vorangegangene. Als wäre die Trauer an diesen Tagen zugespitzt, die Konfrontation unausweichlich und der Schmerz bodenloser noch als sonst. In dieser Folge von „Weiterleben Weiterlieben" sprechen Host Lisa und Trauerbegleiterin Caroline Deidenbach darüber, was diese Tage so besonders macht, welche Chance in ihnen liegt und wie sich ihre Bedeutung mit der Zeit verändert.
Dabei wird deutlich: Diese Tage sind schwer, weil sie von der gemeinsamen Vergangenheit erzählen. Und weil sie zugleich aufzeigen, dass keine gemeinsame Zukunft mehr kommen wird. Oft haben Trauernde Angst, dass sich in dieser Auseinandersetzung all die Trauer, Sehnsucht und schmerzhaften Erinnerungen verdichten, die nach dem Verlust ins Leben gekommen sind. Manchmal erleben Betroffene die besonderen Tage aber auch genau wie alle anderen: genauso leer und genauso unerträglich – was sie noch weiter von den Menschen im Umfeld trennt, die diesen Tagen deshalb eine große Bedeutung geben, weil ihr Alltag sonst unbeirrt weiterläuft. Warum es hilft, Geburtstage, Jahrestage oder Todestage bewusst zu gestalten, und wie das gelingen kann, das erfahrt ihr in dieser Folge.
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WER WIR SIND
Die Nicolaidis YoungWings Stiftung begleitet seit vielen Jahren junge Menschen in einer der schwersten Phasen ihres Lebens – in der Trauer um einen geliebten Menschen. Wir wissen, wovon wir reden, auf professioneller Ebene und aus eigener Erfahrung.
Gastgeberin Lisa arbeitet als systemische Beraterin bei der Stiftung, außerdem ist sie Wissenschaftsjournalistin bei Nerdpol. Zu Gast in dieser Folge ist Caroline Deidenbach, Leiterin der Christophorus Akademie für Palliativ Care und Trauerbegleiterin bei der Nicolaidis YoungWings Stiftung. Dort unterstützt sie Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nach dem Tod eines Elternteils.
GUT ZU WISSEN
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IM HINTERGRUND
Redaktion: Sonja Schwalb Technik & Sound: Henning Hoffmann-Heyden Förderung: Dieser Podcast wird gefördert durch die Landeshauptstadt München – Münchner Sozialstiftung
Transkript anzeigen
00:00:06:
00:00:19: Es gibt Tage im Jahr, die sieht man von Weitem auf sich zukommen.
00:00:23: Manchmal blickt man ihnen schon Monate Wochen vorher entgegen und je näher sie rücken desto schwerer wird jeder Schritt der in ihre Richtung
00:00:30: führt.
00:00:31: Der Todestag
00:00:32: Geburtstag Jahrestag Feiertag Der Tag an dem der geliebte Mensch die Diagnose bekommen hat oder nach einem Unfall ins Krankenhaus eingeliefert wurde.
00:00:42: Viele Trauernde fürchten, dass diese Tage wie ein Brennglas wirken könnten.
00:00:46: Dass den Schmerz die Sehnsucht und die Erinnerungen bündelt... ...und damit besonders schmerzhaft vor Augen führt was nicht mehr da ist.
00:00:53: Manchmal sind diese Tage aber auch wie alle anderen.
00:00:56: Genauso unerträglich genauso leer genau so sinnlos!
00:01:00: Und diese Tatsache trennt einen von allen Menschen im Umfeld der in Leben nicht jede Sekunde von dem Verlust betroffen ist.
00:01:07: In dieser Folge von Weitere Leben, Weiter lieben sprechen wir darüber wie ihr diese besonderen Tage überstehen und gestalten könnt.
00:01:14: Welche Chancen in ihnen liegen?
00:01:15: Und wie sich ihre Bedeutung mit der Zeit verändert.
00:01:19: Ich bin Lisa Traubegleiterin, systemische Beraterin und Journalistin.
00:01:23: Bei mir ist meine Kollegin Karoline Deinenbach.
00:01:26: Sie ist Leiterin der Christophoros Akademie für Palliativkehr und Traubegleiterin bei der Nikola Ilis-Jangwig Stiftung.
00:01:32: Dort unterstützt sie Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene nach dem Tod eines Elternteils.
00:01:37: Sie erzählt uns unter anderem was besondere Tage manchmal besonders schwer macht wie man mit der Angst vor ihnen umgeht und auch mit den Erinnerungen die an diesen Tagen oft besonders nah sind.
00:01:49: Und wie immer gibt es eine konkrete Übung die euch vielleicht dabei unterstützen kann eigene Wege zu finden.
00:01:55: Hallo Caroline schön dass du heute dabei bist.
00:01:57: hallo Lisa vielen Dank für die Einladung.
00:02:00: Caroline, du kennst bestimmt unsere Einstiegsfrage mit der wir hier immer starten.
00:02:04: Was hast Du über Trauer gelernt?
00:02:06: Ich habe eigentlich gelernt die Trauer zu lieben in gewisser Weise.
00:02:11: Ich bin dann ihr Gewachsen und sie hat mich sehr viel gelehrt unter anderem wie individuell sie auch ist und dass es keinen Schema F gibt das man da abarbeitet.
00:02:22: Du hast als Jugendliche deinen Vater verloren, als junge Erwachsene dann auch noch deine Mutter.
00:02:27: Gibt es heute noch Tage, die mit deinen Eltern zusammenhängen und für dich ganz besonders bleiben?
00:02:33: Es gab.
00:02:33: Und es gibt immer wieder Tage, wo sie besonders sind.
00:02:36: Ich würde sagen so in der Vergangenheit, Schulabschlüsse, Uni-Abschlüsse.
00:02:41: Jobstarts.
00:02:43: Besonders war vielleicht letztes Jahr der achtzente Todestag meines Vaters also erst gestorben.
00:02:47: da war ich achtzehn und dann jetzt achtzehnt Jahre ohne ihn genauso lang wie ich ihn hatte.
00:02:53: Das war auf jeden Fall ein besonderer Tag Das ja auch dazu genutzt ein Versprechen, dass ich ihm gegeben habe einen zu lösen und bin den Jakobsweg gewandert.
00:03:03: Aber das nicht über sein Todestag sondern über seinen Geburtstag!
00:03:07: Wir wollen heute darüber sprechen was da passiert an so besonderen Tagen und wie man damit umgehen kann.
00:03:12: Wie hast du das selbst bei dir erlebt?
00:03:14: Jetzt vielleicht bei den Beispielen auch die du gegeben hast.
00:03:16: Wie erlebst du es aber vielleicht auch bei Klienten-Klientinnen?
00:03:19: Gibt es was an diesen Tagen, das dich immer wieder oder noch überrascht?
00:03:24: Mich hat immer wieder überrascht, wie ein Jahr die besonderen Tage total okay waren und an anderen gefühlte so aus dem Nichts sich so einen Loch aufgetan hat.
00:03:34: Aber auch wie sich meine Sicht auf den Tod mit den Jahren verändert hat Und ich ja viele Sachen jetzt als Geschenk sehe.
00:03:42: Das heißt da hat sich ganz viel auch verändert über die Jahre Wenn du mal an die erste Zeit zurück denkst bei dir selbst und vielleicht auch bei deinen Klienten oder Klientinnen Was würdest du sagen, was passiert da emotional?
00:03:53: Vielleicht auch körperlich an diesen besonderen Tagen.
00:03:57: Also diese besonderen Tage sind in gewisser Weise so Stressoren im positiven wie negativen Sinne.
00:04:04: also das sind Reaktionen die in uns ausgelöst werden und normalerweise eben auch weil sie mit einer Emotion verknüpft sind die sich dann eben auch körperlich zeigen kann.
00:04:14: also zum Beispiel die Angst im Bauch vor diesem Tag vor diesen Erinnerungen als die Todesnachricht kam zum Beispiel.
00:04:22: Aber vielleicht auch das Hüpfen vom Herz mit dem Gedanken an einen Geburtstag, der besonders schön war oder ein Weihnachten und das löst natürlich dadurch dass wir ja eine emotionale Verknüpfung haben auch körperlich etwas in uns aus und emotional.
00:04:38: Es gibt ja sehr unterschiedliche Arten von besonderen Tagen.
00:04:41: Der Todestag ist was anderes als der Geburtstage der verstorbenen Person Und der ist wieder was anderes als Weihnachten oder der eigene Geburtstag.
00:04:49: Gibt es Unterschiede in diesen Tagen, wie man sie erlebt?
00:04:52: Oder was da vielleicht auch in den Vordergrund rückt und einem beschäftigt?
00:04:55: Wir sagen immer das es immer sehr individuell ist.
00:04:59: Grundsätzlich kann man vielleicht sagen dass der Todestag eher negativ und belastend empfunden wird.
00:05:05: Geburtstage können auch so melanchole schön sein... ...und Weihnachten ist eher eine zweischneidige Geschichte.
00:05:13: Es ist ja ein sehr ritualisierter Ablauf, im Normalfall.
00:05:18: Und auch sehr mit der Familie verknüpft.
00:05:20: Dementsprechend auffällig ist dann diese Lücke und es kann schön sein dieses Ritual so beizubehalten weil dann auch viele schöne Erinnerungen hochkommen.
00:05:29: Es kann aber genau in die andere Richtung gehen.
00:05:31: Du sagst da ist viel Ambivalenz dabei?
00:05:33: Wir haben jetzt schon bisschen angedeutet, dass sehr unterschiedliche Gefühle mit diesen Tagen mitschwingen.
00:05:39: Viele Traune beschreiben, dass die Zeit davor manchmal sogar schlimmer ist als der Tag selbst.
00:05:44: Dass da auch eine große Angst mit dem Spiel ist was auf sie zukommt.
00:05:48: Kennst du das aus den Begleitungen?
00:05:50: Ja total!
00:05:51: Also dieser Gedanke an den Tag das baut sich oft schon ein zwei Wochen vorher so auf diese ganze Erinnerung wie es abgelaufen Egal, ob das jetzt ein sich ankündigender Tod war oder ein plötzlicher Tod.
00:06:04: Aber da läuft einfach auch nochmal diese ganze Woche, diese ganzen Tage, diese Stunden, diese Minuten ab und was da passiert ist davor... Und dann ist dieser Tag da!
00:06:15: Da ist er auf die Trauer aber gar nicht mehr so dieses Belastende sondern jetzt ist er da und morgen ist er wieder vorbei.
00:06:22: Das heißt, es ist wie eine Art Zuspitzung auf den Tag hin.
00:06:25: Aber ohne dass es so eine Art Schmerzhöhepunkt deswegen geben
00:06:28: muss?
00:06:29: Genau!
00:06:30: Für viele sind ja nicht nur wiederholende Tage, Jahrestage, Geburtstage bestimmte Feste mit Trauer verbunden, sondern auch Lebensabschnitte – du hast das selbst schon erwähnt – Schulabschlüsse und Uni-Abschlüsse.
00:06:42: Ist es auch oft Thema in der Begleitung, wie man mit diesem Schmerzen damit verbunden ist umgehen kann?
00:06:48: Ja, das ist oft Thema gerade bei den Jugendlichen die jetzt ihre Schulabschlüsse machen und dann stehen ja auch immer fester an, also zum Beispiel der Abi-Ball.
00:06:58: Und wir überlegen dann gemeinsam wie kann er oder die Verstorbene auch Teil dieses Festes sein?
00:07:05: Also zum Beispiel hat eine Klientin die Lieblingsjacke ihres Vaters mitgenommen und über ihren Stuhl gehängt und dadurch war er einfach mit dabei!
00:07:16: Das ist total wichtig, also auch dieses Ansprechen und dieses Thema.
00:07:19: Und wie können wir die Verstorbenen an diesen Tagen teilhaben lassen?
00:07:24: Es ist ein wichtiger Aspekt den du ansprichst.
00:07:27: Oft steht ja diese Frage im Raum, wie man mit diesen Tagen umgeht.
00:07:30: Ob man sie einfach irgendwie durchsteht oder ob man sie aktiv gestaltet.
00:07:34: in diesem Beispiel habt ihr euch ja dafür entschieden Die verstorbene Person da irgendwie bewusst mit reinzunehmen.
00:07:39: Ist das oft der Weg, den du mit Klientinnen suchst?
00:07:43: Ja, also ich rate eher zum aktiven Gestalten da wir durch den Tod eh schon in dieser passiven Opferrolle sind.
00:07:50: Also uns ist dies geschehen und hier kann ich aber aktiv entscheiden.
00:07:54: auch wenn ich entscheide nichts zu tun ist das ja meine Entscheidung.
00:07:58: Wichtig ist dass sich mir Gedanken mache und dass ich da selbst bestimmt für mich einen Weg wähle.
00:08:04: Genau!
00:08:05: Das ist auch sehr unterschiedlich also je nach besonderem Tag.
00:08:08: Ich sage dann immer es ist gut ein Plan A zu haben Und dann aber auch einen Plan B. Also wenn mein Plan A, auch andere Menschen mit einbezieht ist es vielleicht auch ganz gut im Plan B noch offen zu haben dass ich auch allen absagen darf und die Bescheid wissen wenn an dem Tag meine Stimmung einfach nicht so ist das sich miteinander zusammen sein möchte
00:08:31: Dass ich alle Freiheiten und Optionen habe den Tag dann wirklich zu gestalten wie ich ihn brauche.
00:08:36: Genau
00:08:37: Manche Traunen wählen ja auch die Strategie, den Tag möglichst zu ignorieren und sich so gut es geht abzulenken.
00:08:42: Kann das eine gute Strategie sein?
00:08:45: Das kann man natürlich
00:08:45: versuchen
00:08:46: – und manchen gelingt das auch!
00:08:48: Es kann dabei aber auch sein, dass es dann ist wie mit dem Rosa Elefanten, also weil man versucht nicht daran zu denken, erst recht daran denkt und es einem viel schlechter geht als wenn man sich etwas überlegt hätte für diesen Tag.
00:09:01: Überlegen Sie jetzt voraus, dass ich auch eine Idee habe oder ein Gespür, was ich an einem Tag brauche.
00:09:06: Wie kann man das für sich herausfinden?
00:09:09: In meinen Begleitungen ist es so, dass wir uns gemeinsam überlegen.
00:09:12: Ist es denn ein Tag an dem ich mit anderen Menschen sein möchte oder ohne?
00:09:16: Möchte ich etwas machen, wo ich mich dem oder der Verstorbenen einfach sehr nahe fühle und dementsprechend etwas mache was auch zu der verstorbenem Person passt, möchte ich mich aber vielleicht doch lieber ablenken am Tag also aber sich bewusst ablenkten.
00:09:32: Und dann ist es ja auch noch ein Thema, gibt das vielleicht unterschiedliche Bedürfnisse in der Familie und wie können wir die zusammenbringen?
00:09:40: Also durch Fragen- und Überlegungen so ein bisschen vielleicht wie eine Mindmap sich auch ein bisschen Sachen aufzuschreiben.
00:09:45: Ein bisschen reinzuspüren.
00:09:47: was könnte denn das Richtige sein?
00:09:50: Du hast es gerade schon gesagt des Umfeld hat manchmal ganz andere Vorstellungen, die dann auf die eigenen prallen.
00:09:55: Wie kann man da einen gemeinsamen Weg finden oder dass ich jemand verbiegen muss?
00:10:00: Ich glaube, es ist wichtig sich erst mal selber klar zu machen was tut mir gut.
00:10:04: Was möchte ich und das auch so kommunizieren?
00:10:08: Und dann braucht es in der Familie oder im Umfeld vielleicht auch Kompromisse.
00:10:12: also wenn jetzt die Teenager-Tochter lieber allein im Zimmer sein möchte aber der Rest der Familie den Tag gemeinsam mit einem Ausflug begehen möchte Also gibt es vielleicht einen Zeitpunkt am Tag wo man Zeit zusammen verbringt um man für sich sein kann.
00:10:30: Manchmal passiert es, dass Menschen aus dem Umfeld den Tag ignorieren oder vergessen und man selbst steht dann da wie im falschen Film und fühlt sich total allein mit der Trauer.
00:10:39: was hilft dann?
00:10:40: Das höre ich sehr oft.
00:10:42: also keiner hat mir geschrieben niemand hat mich angerufen.
00:10:47: manche machen das proaktiv und teilen das in ihrem WhatsApp Status.
00:10:51: wichtig ist auch hier einfach kommunizieren.
00:10:54: Also wenn es mir wichtig ist, dass die anderen an diesem Tag denken.
00:10:59: Dann darf man auch den Freundinnen und der Freunden der Familie sagen... Mir wäre es total wichtig, wenn du mir an dem Tag schreibst.
00:11:06: vielleicht kannst du's dir einfach in deinen Terminkalender, in dein Handykalender reinschreiben und einfach nur sagen das du an dem tag an mich denkst weil die Menschen ja auch den Termin vielleicht nicht auf dem Schirm haben Und aber froh sind wenn sie etwas vereint tun können.
00:11:20: Man darf das ruhig einfordern würdest du sagen?
00:11:22: Ja auf jeden Fall.
00:11:24: Manchmal entsteht auch das Bedürfnis, einen besonderen Tag zum Beispiel den Geburtstag des oder der Verstaubenden richtig zu feiern.
00:11:31: Die Menschen zu feieren, das Leben die gemeinsame Zeit.
00:11:33: Begegnet dir das häufig in den Begleitungen?
00:11:36: Oder hattest du das bedürfenes vielleicht auch selbst mal?
00:11:38: In den Bekleidungen... Begegnet das mir nicht so häufig, manchmal denke ich aber auch dass es ein bisschen gesellschaftlich da was mit zu tun hat.
00:11:47: Dass man sich das auch nicht so richtig traut.
00:11:49: Ich kenne aber jemanden die den Geburtstag ihres Sohnes immer groß feiert, ihres verstorbenen Sohnes und da auch seine Freunde noch einlädt und die Familie einlässt und dann ist es immer eine richtige, eine Gartenfeier meistens.
00:12:03: Und das finde ich total schön am Backzeichen seiner Lieblingskuchen.
00:12:08: Es wird richtig zelebriert!
00:12:10: Bei mir selber war das jetzt in der Vergangenheit
00:12:13: nicht
00:12:13: so, wobei dieses Jahr der zehnte Todestag meiner Mutter ist und ich da schon geplant habe etwas Größeres zu machen.
00:12:21: Wo Leute zusammenkommen, wir etwas kreativ gestalten und ja auch nochmal Erinnerungen austauschen.
00:12:27: also jetzt vielleicht keine Party aber auf jeden Fall ein Get-together.
00:12:30: Wo deine Mutter viel Raum hat und ganz viel gewürdigt wird?
00:12:34: Genau!
00:12:34: Du hast vorhin schon erzählt, bei dir hat sich das mit der Zeit auch verändert wie du diese Tage erlebst.
00:12:39: Diese besonderen... Wie ist es mit den zweiten, dritten und vierten Malen?
00:12:44: Wie begegnet ihr das in die Begleitung und wie verändert sich das Erleben und vielleicht auch der Umgang mit diesen Tagen?
00:12:50: Ich versuche immer mitzugeben dass man einfach ausprobieren muss.
00:12:55: Manchmal hat man ihm so eine Idee für einen dieser besonderen Tage Und dann läuft er total schief.
00:13:00: und dann sage ich auch Das heißt ja nicht, dass es nächstes Jahr wieder so sein muss.
00:13:05: Also immer wieder ausprobieren was brauche ich?
00:13:07: Was passt zu mir?
00:13:09: Wie möchte ich das gestalten?
00:13:11: Ich erlebe schon, dass ist dann auch mit der Zeit leichter wird.
00:13:15: Es ist ja etwas, das anfangs gar nicht vorstellbar ist für viele, dass sich das jemals verändern könnte dieser Schmerz und diese Lücke.
00:13:21: Was sagst du jemanden, der gerade im ersten Trauerjahr ist und sich fragt ob die Tage für immer so brutal und schmerzhaft bleiben werden
00:13:28: Also als jemand, die innerhalb von neun Jahren recht viele Familienmitglieder verloren hat.
00:13:34: Unter anderem ja bei der Eltern würde ich sagen nein es bleibt nicht so.
00:13:39: aber es ist natürlich auch sehr individuell und meiner Leben ist ja nicht das der anderen.
00:13:44: Ich bin sehr aktiv durch meine Trau gegangen Und da ist es vielleicht anders als wenn jemand erst mal Jahre verdrängt und das dann erst ein bisschen später nachholt.
00:13:53: Aber auch aus meinem Begleitung weiß ich dass die Tendenz ist das mit der Zeit besser wird, dass es leichter wird.
00:13:59: Vielen Dank Caroline!
00:14:00: Du hast uns beschrieben warum diese Tage so viel Gewicht haben und gleichzeitig auch deutlich gemacht das man ihnen nicht einfach ausgeliefert ist und etwas tun kann gestalten kann Was das zum Beispiel sein könnte.
00:14:12: dafür gibst du jetzt noch eine konkrete Idee mit.
00:14:19: Das könnt ihr
00:14:20: tun.
00:14:23: Je nach Tag gibt es ja sehr unterschiedliche Methoden oder Sachen die man machen kann.
00:14:28: Ich habe mal als kleine Idee für Weihnachten mitgebracht dass man, wenn man einen Weihnachtsbaum aufstellt um diese Lücke sichtbar zu machen gemeinsam als Familie auch ein Ast und jetzt nicht irgendwo hinten wo man es nicht sieht sondern vielleicht auch relativ zentral einen großen Ast abschneidet.
00:14:46: Und den dekoriert und vielleicht auch was dran hängt Zettel mit Grüßen für den Verstorbenen oder die Verstorbene und entweder in der Wohnung im Haus lässt und einfach so bewusst macht oder vielleicht auch ein Bild dazu stellt, oder es ans Grab bringt gemeinsam.
00:15:04: An Silvester gebe ich gerne mit auch nochmal das Jahr zu reflektieren und dass anhand einer Übung... Ich packe meinen Koffer nenn ich's jetzt mal!
00:15:12: Und da auf einen Blatt Papier draufzuschreiben und vielleicht auch den Koffern zumalen was ist alles in diesem Jahr passiert?
00:15:18: An guten und schlechten und auf einem zweiten Zettel zu schreiben.
00:15:24: Was möchte ich
00:15:24: mitnehmen?!
00:15:25: Vielleicht auch nicht nur die guten Sachen, vielleicht auch etwas von denen.
00:15:29: Nicht so gute Sachen an denen ich aber gewachsen bin
00:15:32: wie so eine Bestandsaufnahme und gleichzeitig verknüpft mit der Überlegung was wünsche ich mir für das nächste Jahr?
00:15:38: Genau!
00:15:38: Auch um sich zu reflektieren dass ja auch aus etwas was schwer war auch wieder etwas Gutes wachsen kann oder dass sich daran wachsen können.
00:15:47: Geburtstage bringen meistens ein bisschen mehr Leichtigkeit mit sich und da lade ich auch immer so dazu einzig zu überlegen, was hätte denn der oder die Verstorbene gerne an diesem Tag gemacht?
00:15:59: Oder gibt es einen besonderen Kuchen oder ein anderes Essen, was ihm oder ihr gut geschmeckt hätte.
00:16:07: Also ich suche am Geburtstag meines Vaters immer Bienenstich weil er mochte Bienen-Stich sehr gern nicht mehr so einfach zu finden und ja da einfach mal zur Übel überlegen was würde denn passen?
00:16:18: Und am Todestag geht das viel auch um Selbstfürsorge, also um zu schauen.
00:16:23: Was würde mir gut tun?
00:16:25: Ist es jetzt der beste Tag in die Arbeit oder in die Schule zu gehen?
00:16:29: Möchte ich mich ablenken, möchte ich Menschen um mich herum haben?
00:16:32: Also da einfach auch sich gut zu überlegen was tut mir persönlich jetzt halt gut.
00:16:37: Das heißt da geht's nicht nur darum den oder die Verstorbenen zu würdigen sondern auch den eigenen Verlust und den eigenen Schmerzen dem auch Raum zu geben?
00:16:45: Genau
00:16:46: Das waren jetzt ein paar Anregungen für ganz konkrete Tage.
00:16:49: Du hast auch noch einen Impuls dabei, eine Idee die grundsätzlich an verschiedenen besonderen Tagen helfen kann.
00:16:56: Die Idee, die ich gerne mitgebe ist ein Brief zu schreiben.
00:17:01: Heutzutage Briefe schreiben ist ja vielleicht schon ein bisschen Oldschool aber gerade diese Verbindung mit.
00:17:08: Ich bringe etwas mit den Stift auf das Papier, also ich empfehle auch sehr, dass jetzt nicht am Computer zu schreiben oder am Handy sondern wirklich sich ein schönes Papier zu nehmen.
00:17:19: Ein Stift mit dem man gerne schreibt und an den oder die Verstorbene einen Brief zu schreiben und sich dafür Zeit zu nehmen, das jetzt nicht so nebenherzumachen und sich auch ein Ort zu suchen, wo man jetzt halt ein bisschen Ruhe hat.
00:17:33: Wo man jetzt gut ein bisschen sitzen kann.
00:17:35: Vielleicht zündere ich mir eine Kerze an, mach mehr Nettacité, blick mir ein bisschen Schokolade daneben... ...und überlege für mich was ich den Verstorbenen erzählen möchte.
00:17:48: Erzählen möchte vielleicht von meinem letzten Jahr wie es mir ergangen ist.
00:17:53: Was ich so erlebt habe an schönen Momenten, an schweren Momenten wo ich die verstorbene Person einfach auch gebraucht hätte.
00:18:03: Vielleicht packe ich auch mit rein, wenn mich was wütend macht über ihn oder sie und darf dann auch mal sagen... Ich finde es jetzt richtig bescheiden
00:18:11: dass
00:18:11: du nicht mehr hier bist und das mit mir erleben kannst!
00:18:14: Und sich da wirklich auch die Zeit zu nehmen, die Muße und auch so zu schreiben wie's rausfließt also jetzt nicht ewig die Formulierungen dreimal rumzudrehen.
00:18:24: Ja und was passiert dann mit diesem Brief?
00:18:25: Wenn ich fertig bin Das kann ich mir überlegen, ob ich diesen Brief vielleicht in ein Kuvert packe und eine Schachte, wo ich vielleicht einige Sachen aufbewahre.
00:18:35: Und da vielleicht auch mit der Zeit immer mehr Briefe zusammenkommen.
00:18:39: Vielleicht möchte ich aber auch den Brief nicht zu Hause haben, sondern ihn irgendwo hinverschicken ohne Rücksehnteadresse?
00:18:46: Vielleicht bringe ich den Brief auch ans Grab!
00:18:49: oder wenn vielleicht auch Sachen drin stehen, die ich gern loswerden möchte.
00:18:53: Also die ja am besten ein bisschen verpuffen sollen, vielleicht verbrenne ich den Brief auch und verspreue die Asche dann in alle vier Himmelsrichtungen?
00:19:02: Mir ist auch mal das Konzept der Himmelfriefkästen begegnet!
00:19:05: Das fand' ich eine sehr schöne Idee, kennst du
00:19:07: das?!
00:19:08: Ja, das habe ich auch schon mal gehört.
00:19:10: Da kann man ja privat einen Briefkasten aufs Grab stellen und da können dann eben die Leute ihre Briefe einwerfen – da muss man sich aber auch selber darum kümmern, dass es irgendwann wieder gelehrt wird.
00:19:22: Es gibt aber auch einige Orte, die offizielle Briefkästen anbieten und wo das dann von dem Friedhofspersonal gelehrт wird und die Briefer dann auch verbrannt werden.
00:19:32: Ich kann mir vorstellen, dass es auch gut tut so einen kollektiven Ort der Trauer zu haben.
00:19:36: Wäre ja schön wenn sich das Konzept noch ein bisschen verbreiten würde.
00:19:39: Ohja!
00:19:39: Das fände ich auch klasse.
00:19:49: Pauline du darfst zum Abschluss auch eine Karte mit einer Impulsfrage ziehen und uns sagen welche Antwort dir spontan dazu einfällt.
00:19:57: Bitte sehr?
00:19:57: Okay dann ziehe ich mal... Wann hast Du das letzte Mal etwas ganz Verrücktes getan?
00:20:08: Ist das
00:20:09: verrückt?!
00:20:10: hundert Kilometer an der Nordküste Spaniens alleine zu laufen.
00:20:15: Die meisten würden sagen ja vermutlich.
00:20:19: Ja, es fühlt sich für mich gar nicht so verrückt an wobei in der heutigen Zeit ich habe dazwischen drin mal geguckt wie lange würde ich jetzt mit dem Auto brauchen?
00:20:27: So für den Rest der Strecke des Tages und dann war das dann so zehn Minuten und ich wusste ahja ok dafür brauche ich jetzt drei bis vier Stunden zur Fuß.
00:20:35: also wirklich dieses zurück zu den Basics In der heutigen Zeit ist vielleicht ein bisschen verrückt.
00:20:42: Und hat dir glaube ich sehr gut getan, oder?
00:20:45: Es hat mir sehr gut getan also... Ich weiß nicht ob ich jetzt nochmal fünf Wochen zu Fuß acht hundert Kilometer laufen würde aber in dem Moment war es genau das Richtige und hat mehr sehr gutgetan.
00:20:56: Danke Karoline für dieses Gespräch und dafür dass du so offen geteilt hast was Du selbst erlebt hast und was Dir an Deiner Arbeit begegnet wenn es um besondere Tage geht Und danke euch fürs dabei sein, die ihr gerade zuhört und vielleicht auf einen dieser Tage zugeht.
00:21:11: Wenn der Gedanke daran erdrückend ist dann wisst ihr jetzt hoffentlich dass diese Tage schwer sind weil sie was bedeuten, weil dieser Mensch etwas bedeutet und das darf auch spürbar sein.
00:21:21: Niemand muss diese Tage alleine überstehen, auch nicht perfekt gestalten.
00:21:25: man darf intuitiv den Bedürfnissen folgen und in Tagen eine Form geben, die trägt.
00:21:30: Wenn ihr eure Erfahrungen mit uns teilen wollt, was euch an besonderen Tagen hilft und was ihr ausprobiert habt oder was euch vielleicht überrascht, schreibt uns gerne auf Instagram.
00:21:43: In der nächsten Folge spreche ich mit meiner Kollegin Uschi Pechlaner über die Veränderungen, die ein Verlust in der Familie mit sich bringt – über neue Rollen, Verantwortlichkeiten oder Konflikte, unterschiedliche Trauerwege- oder Bewältigungsstrategien, Nähe oder Distanz, die nach dem Verluste entsteht!
00:22:00: Wir freuen uns, wenn ihr wieder dabei seid.
00:22:02: Bis dahin passt gut auf euch
00:22:24: auf!