Identität | Sich nach einem Verlust neu finden
Shownotes
Ein schwerer Verlust erschüttert nicht nur das Leben, sondern häufig auch das eigene Selbstbild. Vertraute Rollen fallen weg, Beziehungen verändern sich und bisherige Werte, Interessen oder Zukunftsvorstellungen geraten ins Wanken. Trauer wird so auch zu einem ungewollten und anstrengenden Prozess der Selbstfindung. In dieser Folge von „Weiterleben Weiterlieben“ spricht Host Lisa mit ihrer Kollegin Katharina Knoche darüber, warum sich viele Trauernde selbst nicht mehr kennen und wie mit der Zeit ein neues Ich entstehen kann.
Die beiden beleuchten die fünf Säulen der Identität, die durch einen Verlust erschüttert werden können: Körper und Psyche, soziale Beziehungen, Arbeit und Leistung, materielle Sicherheit sowie Werte und Überzeugungen. Sie sprechen darüber, wie Trauer den Selbstwert beeinflusst, weshalb vertraute Beziehungen plötzlich schwierig werden können und was dabei hilft, eigene Bedürfnisse und Kraftquellen zu entdecken. Zum Abschluss stellt Katharina eine praktische Übung aus dem Zürcher Ressourcen Modell vor. Sie kann dabei unterstützen, über Bilder und die eigene Intuition wieder Zugang zu inneren Wünschen, stärkenden Eigenschaften und einem neuen Ich-Gefühl zu finden.
Online-Tool zum Züricher Ressourcen Modell: www.zrm.ch/online-tool
WER WIR SIND
Die Nicolaidis YoungWings Stiftung begleitet seit vielen Jahren junge Menschen in einer der schwersten Phasen ihres Lebens – in der Trauer um einen geliebten Menschen. Wir wissen, wovon wir reden, auf professioneller Ebene und aus eigener Erfahrung.
Gastgeberin Lisa arbeitet als systemische Beraterin bei der Stiftung, außerdem ist sie Wissenschaftsjournalistin bei Nerdpol. Ihre Gästin und Kollegin Katharina Knoche ist Trauerbegleiterin und unterstützt Trauernde nach dem Tod Lebenspartners oder der Lebenspartnerin bei der Nicolaidis YoungWings Stiftung in der Einzelbegleitung, in Gruppenformaten und verschiedenen offenen Angeboten.
GUT ZU WISSEN
🖤 Wir sind für junge Trauernde da: www.nicolaidis-youngwings.de/angebote
ℹ️ Weitere Infos zu jeder Folge findet ihr auf unserer Website: www.nicolaidis-youngwings.de/podcast
📧 Wertvolle Impulse für den Trauerprozess bekommt ihr auch in unserer Stiftungspost: www.nicolaidis-youngwings.de/newsletter
📷 Besucht und schreibt uns gerne auf Instagram: www.instagram.com/nicolaidisyoungwingsstiftung
⭐ Ihr seid der Meinung, andere Trauernde sollten auch von diesem Podcast erfahren? Dann würde es uns sehr freuen, wenn ihr ihn abonniert und eine Bewertung abgebt.
IM HINTERGRUND
Redaktion: Sonja Schwalb
Technik & Sound: Henning Hoffmann-Heyden
Förderung: Dieser Podcast wird gefördert durch die Landeshauptstadt München – Münchner Sozialstiftung
Transkript anzeigen
00:00:06:
00:00:20: Wer einen schweren Verlust erleben muss, verliert nicht nur einen wichtigen Menschen.
00:00:24: Sondern auch Teile seiner selbst!
00:00:26: Vieles von dem was das Leben und die eigene Identität ausgemacht haben liegt erst mal in Trümmern.
00:00:31: Rollen passen nicht mehr Gefühle- und Körperempfindungen entgleisen in alle Richtungen Hobbies ergeben keinen Sinn.
00:00:38: Beziehungen, Werte, Prioritäten verändern sich.
00:00:42: Trauerprozesse sind deshalb immer auch ungewollte, anstrengende Selbstfindungsprozisse.
00:00:48: Das Trümmerfeld muss mühsam gesichtet ein neues Ich nach und nach zusammen gebaut werden.
00:00:53: Manche Teile der alten Identität werden dabei verabschiedet und betrauert.
00:00:58: Manchen neuen Aspekte gesucht gefunden und willkommen geheißen was auf diesem Weg hilft das beleuchten wir heute und damit herzlich Willkommen zu weiter leben weiter lieben.
00:01:08: Ich bin Lisa, Journalistin, Trauerbegleiterin und systemische Beraterin bei der Nikolaides Young Wings Stiftung.
00:01:14: Ich habe in dieser Folge meine Kollegin Katharina Knoche zu Gast.
00:01:18: Sie begleitet seit einigen Jahren trauende Menschen in Einzelgesprächen und in Gruppen – und sie weiß auch aus eigener Erfahrung wie es sich anfühlt das eigene Leben und das eigene ich nach einem Verlust neu zusammen puzzeln zu müssen!
00:01:30: Hallo Katharina, schön dass du da bist.
00:01:33: Hallo Lisa, freue mich hier zu sein.
00:01:35: Katharina was hast Du über Trauer gelernt?
00:01:38: Ja, was habe ich über Trauer gelernt?
00:01:39: Das ist vielleicht die Essenz.
00:01:41: Es ist anders als man vielleicht gedacht hätte solange man dann nicht selbst in der Situation ist und sie ist nicht nur ein negatives Gefühl.
00:01:52: Viele Trauerende nach dem Verlust oft erst mal das Gefühl dass Sie gar nicht mehr wissen wer sie sind und was sie ausmacht.
00:01:59: Was steckt Deine Erfahrung nach hinter diesem erleben?
00:02:03: Ja so Ein Verluster schüttert uns Menschen ganz massiv auf allen Ebenen und neben der Trauer gibt es oft erst mal ein starkes Gefühl eines Schwebezustands.
00:02:16: Der Mensch, der mein nächstes Umfeld geprägt hat ist nicht mehr da.
00:02:20: in den Trauerbegleitungen höre ich häufig den Satz Ich fühle mich gar nicht mehr ganz.
00:02:26: eine trauernde sagt die Mal ich bin nur noch halb und muss aber mit den alltäglichen Herausforderungen doppelt so viel tragen.
00:02:33: Für manche fühlt sich dieser Schwebezustand, wie du es genannt hast an wie eine Art zweite Pubertät.
00:02:38: Man muss wieder neu anfangen und ein Selbstbild entwickeln herausfinden wer man ist und wer man sein möchte mit dem Unterschied dass man das alles ja schon mal hatte.
00:02:47: Hast Du das selbst nach dem Tod deines Mannes auch so empfunden?
00:02:51: Ohja eher als fehlendes Teil in unserem Mobile hat unser gesamtes Familiengefüge in einen Ungleichgewicht gebracht Und bis sich die Gewichte wieder neu verteilt haben, hat es schon Zeit gebraucht.
00:03:06: Wir Menschen haben ja in unserer Gesellschaft unterschiedliche Rollen als ich bin Schwester, Kollegin, Freundin, Nachbarin, Tochter und Mutter.
00:03:16: Doch durch den Verlust meines Mannes ist meine Rolle als Partnerin weggefallen was bei mir jetzt zum Beispiel dazu geführt hat dass ich mich nur ganz schlecht im meinem Elternhaus aufhalten habe können.
00:03:29: Ich glaube, ich habe mich dann wieder mehr als Kind von meinen Eltern gefühlt und nicht mehr in erster Linie die Frau von Thomas.
00:03:37: Meinem ersten Trauerjahr war für mich das Wort Metamorphose sehr bedeutsam.
00:03:43: So etwas wie zwei erstmal große Verletzlichkeit aber auch Wandel, Neubeginn und Aufbruch.
00:03:53: Eine Metamorphosis, wie du es bezeichnet hast ist ja so ein ganz grundlegender Prozess.
00:03:59: Warum ist es nach einem schweren Verlust so?
00:04:01: Wieso verliert man erst mal ein stabiles Gefühl für die eigene Identität, was passiert da.
00:04:06: Vielleicht um dieses Gefühl etwas verdeutlichen zu können hilft vielen Trauernden das Identitätsmodell des Psychologen Hilarion Petzold.
00:04:16: Das beschreibt fünf Säulen, aus denen sich unsere Identität zusammensetzt und die durch den Verlust quasi auf allen Ebenen unserer eigenen Identität also das was uns ausmacht ins Wankengerät.
00:04:30: Die erste Säule ist unsere eigene Psyche der eigene Körper.
00:04:35: Die körperliche Abwesenheit des geliebten Menschen bringt eine neurobiologische Kettenreaktion mit sich dass Bindungshormon-Oxytocin sinkt.
00:04:45: Dafür schüttet der Körper jetzt vermehrt das Stresshormon Adrenalin aus.
00:04:50: Psychologische Auswirkungen sind dann oftmals auch Verlustängste und das Vermissen und die Gedankenkreise um den geliebten Menschen, und sie können sich durchaus anfühlen wie eine körperliche Wunde.
00:05:02: Eine zweite Säule sind soziale Netzwerke und Systeme.
00:05:05: Viele Trauerende ziehen sich in der ersten Phase der Trauer erstmal zurück.
00:05:10: Sie beschreiben, dass ihnen die emotionale Kapazität Fehlekontakte zu pflegen.
00:05:15: Und sie fühlen sich manchmal beim Freundeskreis nicht wohl irgendwie fehl am Platz und nicht verstanden oder nicht richtig verstanden.
00:05:24: Diese Erfahrungen machen ja sehr viele betroffene.
00:05:26: Beziehungen brechen weg man fühlt sich unverstanden und einsam.
00:05:29: auch dazu hat mir schon Podcast folgen.
00:05:32: Da fehlt da manchmal wirklich eine sehr große Stütze.
00:05:35: Welche Säulen gibt es noch?
00:05:37: Ja, dann gibt es eine Säule über die wir uns ebenfalls identifizieren und zwar über unsere Arbeit oder das was wir leisten können auch in der Freizeit oder bei der Ausübung von Hobbys.
00:05:48: Hier stellen sich ganz viele Trauerenden die Frage ist es mir dass überhaupt noch wert?
00:05:52: Dass ich so viel Lebenskraft und Zeit in diese Arbeit stecke?
00:05:56: oder habe ich überhaupt die Kraft dazu dieses Pensum weiter zu fahren?
00:06:00: oder jetzt in der freizeit machen mir die gemeinsamen Hobbies noch Spaß?
00:06:04: Oft verändert sich auf jeden Fall, was wir wollen und können.
00:06:08: Eine weitere Säule ist die materielle Sicherheit, auf die wir uns gestützt haben.
00:06:12: Manche haben erst nach einer gewissen Zeit und viel bürokratischem Aufwand die Info wieviel Geld sie jetzt tatsächlich monatlich zur Verfügung haben.
00:06:20: Zum Beispiel wie viele Witwenn-Rente sie bekommen und wieviele hinzuverdient werden kann.
00:06:25: Und wenn man dann aus einem gemeinsamen Haus ausziehen muss oder seinen Lebensstandard ag verändern kann dann ein weiterer Verlust im Gefüge sein.
00:06:36: Das heißt auch die äußeren Umstände und Rahmenbedingungen verändern welches Bild wir von uns selbst haben?
00:06:41: Ja genau, aber auch die eigenen Werte und Normen gehören zu diesen Säulen, die uns halt geben wie sie für uns richtig waren und gemeinsam gelebt worden sind und der Verluste des gelebten Menschen erschüttert oft das eigene Weltbild.
00:06:55: Werte, die früher wichtig und richtig waren verlieren an Bedeutung oder wären umgedeutet.
00:07:01: Glaubenssätze werden eine Hinterfrage und führen gar nicht selten zu den großen Sinnfragen.
00:07:06: Hast du ein Beispiel aus seinen Begleitungen, welche Fragen das sind die dadurch aufgeworfen werden?
00:07:11: Ja was bin ich, was macht mich aus, wo komme ich her, wo gehe ich hin, was ist Bewusstsein gibt sein Jenseits?
00:07:20: und ja was ist Urvertrauen?
00:07:23: Das sind wirklich die ganz großen Fragen.
00:07:25: Wenn man sich da selbst so als Suchend erlebt und noch wenig Antworten hat, ist das auch eine der Gründe warum das Selbstwertgefühl so stark leidet in der Trauer?
00:07:34: Geht es zwangsläufig damit einher wenn die Identität sich wackeliger anfühlt?
00:07:39: Ja ich denke schon.
00:07:40: also dieses Erschütterzeichen auf allen Ebenen lässt oft buchstäblich schwanken und gibt dadurch einen Gefühl von Unsicherheit.
00:07:49: Das gewohnte Resonanz treten fehlt jetzt oder eben sich absprechen können, fällt weg und lässt Traunde oft erst mal überfordert und auch orientierungslos werden.
00:07:59: Vielleicht spielen aber auch heutige gesellschaftliche Maßstäbe durch die sozialen Medien auf befeuerten Ideale eines nach außen hin immer glücklichen und erfolgreichen Lebens im Sinne dass alles nach Plan läuft erfolgreich und schön sein muss eine gewisse Rolle.
00:08:17: Wenn man trauert, macht man für gewisse Zeit den anderen keinen Spaß und für manche kann sich das dann anfühlen wie ein Stigma.
00:08:26: Aber auch Schuldgefühle versagt oder etwas übersehen zu haben können das Selbstweit-Gefühl belasten.
00:08:31: In meiner eigenen Trauergruppe damals fragten sich manche ob sie für die Menschen jetzt eine Zumutung sein und haben sowas gesagt wie wer will mich denn noch mit diesem Rucksack?
00:08:43: Gerade im Umgang mit anderen ist diese wackelige Identität manchmal schwierig.
00:08:47: Die anderen warten vielleicht auf die alte oder den alten, der man nie wieder sein wird und manche Rollen passen einfach nicht mehr.
00:08:53: Man weiß nicht wie man sich verhalten soll.
00:08:56: Ist vielleicht unsicher und auf jeden Fall verletzlich.
00:08:59: Kennst du das aus dem Begleitungen auch?
00:09:01: Und vielleicht auch persönlich?
00:09:03: Menschen, die einen so fundamentalen Verlust erlebt haben, die erleben sich in vielen ihrer Rollen als anders und ungewohnt, entsprechen vielleicht nicht bei mir den Vorstellungen, wie man in dieser Rolle zu sein hat.
00:09:16: Ich dachte am Anfang, ich müsste jetzt Mutter und Vater sein.
00:09:20: Und hat aber gleichzeitig das Gefühl selbst meine Rolle als Mama nicht mehr gerecht zu werden.
00:09:26: Wenn eben alle sollen wackeln, positionieren sich viele Trauerende danach in vielerlei Hinsicht neu, priorisieren anders lassen vielleicht manches weg oder gewinnen neu dazu.
00:09:40: Also ich habe die Erfahrung gemacht dass es sich besonders mit Menschen mit denen man vor dem Verlust eher eng war Es sich dann durch meine empfundene persönliche Veränderung es schwieriger war als mit den Menschen, die in meinem Leben vorher noch nicht so eine große Rolle gespielt haben.
00:09:56: Vielleicht ist hier die Zuschreibung von gewissen Eigenschaften noch nicht eindeutig gewesen und man kann sich leichter neu positionieren oder auch erfinden.
00:10:08: Das spielt in unseren Traugruppen und auch in den Einzelbegleitungen häufig schon eine grosse Rolle.
00:10:13: Manche fühlen auch wirklich Enttäuschung im engsten, angehörigen Kreis.
00:10:18: Aber meistens gelingt es ihnen mit der Zeit schon sich wieder als passend zu empfinden und hier auch Veränderungen zulassen zu können.
00:10:27: Wahrscheinlich ist das wie immer in Trauerprozessen individuell.
00:10:31: aber was ist dein Gefühl?
00:10:33: Wie lange dauert es ungefähr bis man wieder ein halbwegs sicheres Gefühl für sich selbst hat?
00:10:38: Ja, an der Stelle.
00:10:39: ich glaube es ist immer gut wenn es gelingt sich Zeit zu nehmen für den Prozess des Trümmersichtens.
00:10:46: Sich dann entscheiden und austesten was von dem Brocken aus dem Trümmerhaufen raus kann Was man wieder verwenden mag oder etwas neu dazu darf.
00:10:59: Ein langsamer manchmal auch ganz unbewusster Aufbau eines neuen Hauses kann entstehen.
00:11:04: Es muss auch nicht immer alles durchdacht und erarbeitet werden.
00:11:08: Manchmal passiert auch ganz unbewusst oder automatisch was aus dem Bauch raus, aber auch wenn wieder festere Grundstruktur steht die Erfahrung gemacht zu haben dass es ein spannender lebenslanger Prozess bleiben darf das immer wieder umgebaut und renoviert wird ist vielleicht auch entlastend.
00:11:27: Das sprichwort nichts ist so beständig wie die Veränderung hat für mich eine ganze neue Bedeutung gewonnen.
00:11:33: Das finde ich ein sehr passendes Bild, ein Haus das erst mal einstürzt in Trümmern liegt und dann einen Prozess.
00:11:40: Wo es darum geht, Trümer zu sichten und was wieder aufzubauen?
00:11:43: Wenn wir die Metapher bleiben... Es glaubt so wie viel von diesen alten Bausteinen der nächste Mal kann wieder verwendet werden!
00:11:50: Wie viele von dem alten Ich hat noch Bestand und wieviel Neues kommt dazu?
00:11:54: Einerseits ist ja die Vorstellung für die meisten sehr beängstigend und auch traurig, dass vielleicht vieles verloren geht.
00:12:00: Nicht mehr verwendet werden kann, kaputt ist.
00:12:02: Zum Beispiel Unbeschwertheit, so ein Urvertrauen ins Leben, manche Interessen, die man mit dem oder der Verstaubenden geteilt hat und die alleine keinen Sinn mehr ergeben.
00:12:12: Andererseits gibt es aber auch oft das Bedürfnis oder Gefühl, dass nach so einem Einstädt nichts mehr ist oder sein kann wie's vorher
00:12:18: war.".
00:12:19: Ja ich sag da immer... Ich bin immer noch die Alte, aber trotzdem anders!
00:12:24: Ich habe mir immer noch Werte, auch gemeinsame Werte wie jetzt zum Beispiel unser Leitsatz war.
00:12:30: Wir machen immer das Beste draus und das habe ich mir erhalten.
00:12:36: Aber mittlerweile sind einfach durch den Verlust zu viele Menschen in mein Leben getreten.
00:12:41: Das wäre ohne so nicht passiert Und die ich nicht mehr missen möchte.
00:12:47: und ja Nicht zuletzt meine Arbeit als Trauerbegleiterin hätte es so natürlich nicht gegeben.
00:12:54: Vielleicht ist es genau der Rückblick auf das innere Bewahren, der gemeinsamen Vergangenheit auch das was bei vielen Trauernden nach einer Zeit eine gewisse Dankbarkeit auslösen kann und ist auch eine Hilfestellung dafür ein Blick dafür zu kriegen was nun kommen darf.
00:13:12: Wir fühlen uns in unserer modernen Gesellschaft so als hätten wir stets die Zügel in der Hand.
00:13:17: Das hat einmal jetzt vor kurzem einen Trauernder gesagt Und es sei genau diese Seite die er nur neu und durchaus staunend an sich entdecken könne.
00:13:27: Die Zügel auch mal loslassen, wieder anzufangen und darauf einfach zu vertrauen dass es gut oder auch erstmal okay sein wird was da jetzt kommt und dass ich manchmal auch etwas ergeben darf.
00:13:41: Oft ist auch ein Gefühl dafür den oder die verstorbene Dinge oder Projekte fortführen zu wollen.
00:13:49: das kann Verbindung schaffen und Kraft geben irgendwie doch mit dem Verstorbenen weiterzumachen.
00:13:57: Du hast jetzt gerade schon Dinge angerissen, die vielleicht dabei helfen können eine für die neue Situation stimmige Identität zu entwickeln?
00:14:04: Was kann man als Betroffener und Trauernda noch tun?
00:14:08: Zu fühlen dass das ein Prozess ist und nicht von heute auf morgen passiert, kannst du mal inneren Druck rausnehmen.
00:14:16: Trauernde haben dann oft ein sehr gutes Gefühl dafür was sie jetzt brauchen.
00:14:21: Das bewusste Arnehmen der neuen Rollen, also sich selbst als eigenständige Person neu kennenzulernen gibt ja auch neue Möglichkeiten.
00:14:29: Es muss nicht immer gleich eine andere Arbeit oder ein neues Hobby sein.
00:14:33: Manche brauchen das zwar und wollen viel im Umfeld verändern und haben schneller Idee davon wie sie sich neu orientieren können.
00:14:42: Manch finden auch zu einem neuen Selbstbewusstsein indem Sie sich fragen was brauche ich heute?
00:14:50: Welche Ressourcen können wir dabei helfen, was mir in der Vergangenheit schon Kraft gegeben hat oder was hat mich immer schon interessiert?
00:14:57: Oder wofür habe ich jetzt vielleicht die Kapazitäten?
00:15:00: Dass sie in der Trauer erstmal auf sich selbst achten lernen musste.
00:15:03: Was geht und was nicht hat jetzt erst mal eine Teilnehmerin aus meiner Tragruppe erzählt, hat sie lernen lassen auch mal Nein zu sagen und es nicht immer allen recht machen zu wollen.
00:15:13: In der Psychologie gibt es das Konzept des Flourishings vom Inneren Aufblühen dass da vielleicht hilfreich sein kann.
00:15:22: Da geht es darum, sein psychisches und soziales Wohlbefinden zu stärken indem man auf Gefühle wie Zuversicht oder Dankbarkeit schaut Oder sich irgendwie oder irgendwo engagiert mit Hingabe ob beruflich oder auch im Spiel Kinder schaffen das oft gut in einen sogenannten Flowzustand kommt.
00:15:44: Da kann jetzt zum Beispiel helfen, indem man unterstützende Beziehungen oder soziale Kontakte pflegt oder auch einem größeren Zweck dient.
00:15:54: Einer Traumten in meiner Gruppe hilft es z.B.
00:15:56: sehr dass sie samstags bei der Tafel mithilft weil sie sich so als wirksam und hilfreich erlebt.
00:16:02: Ich fühle mich dann wieder mehr als Geber sagt sie und nicht mehr so bedürftig und als Nähma.
00:16:09: Es ist ein Ausprobieren von neuen Rollen durch Aktivitäten, Begegnungen über die man langsam zu einem neuen Gefühl für sich selbst kommt.
00:16:19: Das braucht Zeit und mehrere Versuche, manchmal auch Umwege um zu merken wer man nicht sein will und was nicht passt.
00:16:28: Wir haben jetzt viel über Veränderungen gesprochen, die zwangsläufig passiert oder die man selbst bewusst anstrebt.
00:16:34: ist es auch okay alles beim Alten zu lassen?
00:16:37: Ja klar das kann ja auch total stabilisierend sein und man kann es ja auch absolut gut finden.
00:16:45: Das heißt, da gibt es eine Entscheidungsfreiheit in alle Richtungen.
00:16:48: Erlebst du Trauernde die genau diese Freiheit auch als Chance sehen?
00:16:53: Ja also am Anfang ist das meistens unvorstellbar aber ja ein so intensiver Weg der birgt auch Chancen das Leben anders zu sehen neu zu entdecken vielleicht die Freude auch in kleinen Dingen etwas Schönes sehen zu können und dass man auch mit kleinen Schritten und Rückschritten insgesamt Dennoch weiter geht.
00:17:16: Das sind für viele wertvolle und auch überraschende Erkenntnisse.
00:17:20: Dass es in Trauergruppen oft eine sehr schwierige Frage zu der es sehr unterschiedliche Haltungen gibt, kann und darf aus einem so schlimmen Ereignis was Wertvolles, was Bereichern das entstehen?
00:17:31: Wie siehst du das?
00:17:33: Klingt vielleicht erst mal unmöglich aber neue Perspektiven kommen Und das dürfen sie auch.
00:17:40: Ich wusste nicht, dass ich so bei mich hinauswachsen werde, habe ich erst von einem Vater mit drei kleinen Kindern gehört und der sich nun sehr nah an seinen Kindern erlebt und die Zeit mit ihnen im positiven Sinne als sehr intensiv.
00:17:54: Meine Arbeit als Trabbegleiterin darf ich immer wieder staunen wie Trauernde ihren Weg gehen – auch wenn er natürlich nicht selbst erwählt war.
00:18:03: Wie Sie dabei neue Ressourcen, eigene Ressoursen entdecken.
00:18:07: Eine Trauernde sagt ihr mal, ich wusste nach dem Verlust sofort.
00:18:11: Ich muss und darf Hilfe annehmen!
00:18:15: Dass sich das getan habe – das ist für mich tatsächlich eine große persönliche Weiterentwicklung.
00:18:22: Viele lernen sich in der Zeit intensiv und ganz anders kennen, entwickeln dadurch ein gutes Gefühl für die eigenen Bedürfnisse, lernen mit sich selbst Nachsichtiger und geduldiger zu sein... haben aber auch mehr Empathie und ein Blick für andere und deren Themen.
00:18:41: Manchen gibt auch eine dadurch neu erworbene Spiritualität oder auch Religiosität Halt, und kann für sie sehr sinnstiftend und tragend
00:18:51: werden.".
00:18:52: Du musstest selbst diesen Entwicklungsweg gehen?
00:18:54: Was hat dir persönlich dabei geholfen, wie dein Gefühl für dich selbst zu finden?
00:18:59: Und was hast du dabei über dich
00:19:00: entdeckt?".
00:19:02: Was würdest du sagen, wie hast du dich verändert im Vergleich zu deinem Ich vor dem Verlust?
00:19:06: Ja dass man so etwas überleben kann.
00:19:09: Das allein hat mir nach einer gewissen Zeit schon ein Gefühl von Stärke hervorgebracht.
00:19:14: ich erzähle da oft von meinem Bild eine Gletscherspalte in die ich nach dem Verluß gefallen war und als ich dann irgendwann wieder herausgeklettert kam erschien mir die Sonne unglaublich leuchtend Und ich hatte einen Gefühl von was kann mich jetzt schon noch umhauen.
00:19:31: Das war ganz neu und ganz kräftig.
00:19:35: Aber nach einer gewissen Zeit tut es auch wieder gut, wenn ganz normale Alltagssorgen auch wieder Gewicht haben.
00:19:42: Vielleicht ist das dann ein Indiz dafür dass man einen Stück weit wieder in einem neuen Alltag angekommen ist.
00:19:49: Ja für mich heißt Leben mittlerweile mehr denn je.
00:19:54: diese sind allen Facetten zu leben anzunehmen was nicht zu ändern ist Gleichzeitig Dinge anzugehen und darauf zu vertrauen, dass sich Lösungen oft beim Gehen erst finden lassen.
00:20:08: Licht und Schatten gehört zum Menschsein dazu und das beides gut in Anführungszeichen sein kann ist für mich so ein bisschen ein Resultat aus dieser Zeit.
00:20:20: Das Wort, das vielleicht altmodische Wort Demut spielt für mich jetzt eine Rolle.
00:20:27: Leben heißt leben und sterben Und ist vielleicht immer ein Versuch, das bestmögliche draus zu machen und das gelingt einfach mal so.
00:20:39: Das klingt, als hättest du dir da auch eine Gelassenheit erarbeitet?
00:20:42: Danke Katharina!
00:20:44: Wir haben jetzt viel darüber gesprochen, dass ein Verlust die eigene Identität erschüttern kann, dass Rollen wegfallen, dass sich Werte verändern... Dass manches nicht mehr passt und anderes neu entsteht.
00:20:55: Wenn man mittendrin steckt, kann das verwirrend und verunsichern sein.
00:20:59: Deshalb hast du Katharina heute eine Methode mitgebracht, die dabei helfen kann.
00:21:03: Weder etwas mehr Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen, Ressourcen und darüber ja letztendlich auch dem eigenen Ich zu
00:21:09: bekommen.".
00:21:13: Das könnt ihr
00:21:14: tun!
00:21:18: Eine Methode, die ich sehr gerne nutze, stammt aus dem Zürcher Ressursenmodell – kurz ZRM.
00:21:26: Es passiert auf der Idee dass wir oft schon wissen was uns stärkt und in welche Richtung wir uns entwickeln möchten Allerdings nicht über den Verstand, sondern über unser Bauchgefühl.
00:21:38: Dafür sucht man sich ein Bild aus das einen ganz intuitiv anzieht.
00:21:43: Man kann in den eigenen Fotoalbenblättern im Internet stöbern oder ein kostenloses Online-Tool nutzen Das wir in den Show Notes verlinken.
00:21:53: Bei der Auswahl geht es nicht um Ästhetik oder Geschmack Sondern um die Frage Welches Bild zieht mich positiv an?
00:22:01: Wo spüre ich Resonanz?
00:22:03: Welches Bild löst etwas Schönes in mir aus?
00:22:06: Ganz spontan.
00:22:08: Man muss nicht verstehen, warum das Bild positive Gefühle auslöst Einfach der Intuition vertrauen.
00:22:14: Vielleicht ist es ein Berg, ein Weg, ein Baum, ein Mensch Etwas völlig Unerwartetes.
00:22:20: Und wenn ihr ein Bild ausgewählt habt fragt euch was genau spricht mich daran an?
00:22:26: welche Eigenschaften, welche Stimmung oder welche Sehnsucht steckt darin?
00:22:32: Welche Ideen kommen mir dazu?
00:22:35: Nehmt dann Stift und Papier, führt dann drei Satzanfänge weiter.
00:22:40: Nämlich ich will mich fühlen wie Ich will handeln wie Und manchmal merkt man erst beim Lesen was man geschrieben hat und diese Erkenntnisse können Hinweise da drauf sein wohin es euch gerade zieht was euch wichtig ist oder welcher Teil von euch raun braucht.
00:23:06: Das ist wie ich finde ein guter Ausgangspunkt für die Suche nach dem einen neuen Ich-Gefühl.
00:23:13: Also angenommen, ich habe mir ein Berg ausgesucht Oder ein Foto wo ein Mensch auf einem Gipfel steht Dann würde ich erstmal assoziieren also zum Beispiel Freiheit Überblick Frische Luft Vielleicht auch mich spüren Weite Optimismus.
00:23:32: So, das sind Schlagworte die mir spontan dazu in den Sinn kommen und dann würde ich ein bisschen ergründen welche Stimmung oder Sehnsucht darin steckt, oder?
00:23:40: Ja genau so kann man das machen!
00:23:42: Und dann würde man nochmal ein bisschen tiefer gehen und das ja verschriftlichen wie gesagt ganz spontan aus dem Bauch herrs.
00:23:49: Das könnte bedeuten wenn wir unser Beispiel jetzt mal etwas knapp durchdeklinieren Ich will mich fühlen wie ein Fels ganz stark und stabil groß unterhaben.
00:24:01: Ich will handeln wie ein Mensch, der sich Schritt für Schritt vorankämpft und bergeaufkämpft.
00:24:06: Der sich dabei selbst spürt und sich zwischendurch auch ausrund darf.
00:24:11: Und ich will sein wie zum Beispiel einen Adler, der ganz frei durch den Himmel über den Bergen schwebt – so diese Richtung?
00:24:18: Ja das gefällt mir sehr gut!
00:24:29: Katharina du darfst wie alle Gäste bei Weiterleben weiter leben.
00:24:32: Zum Schluss eine Karte ziehen auf die eine Impulsfreie steht Und alle Menschen, die uns gerade zuhören sind natürlich eingeladen selbst in sich reinzuhören welche Antwort dazu entsteht.
00:24:42: Welche Karte soll es sein?
00:24:45: Ah eine sehr schöne Frage!
00:24:48: An welchen positiven Dinge glaubst du den Menschen ein Vertrauensvorschuss zu geben das vieles gut wird und der könnte mir jetzt nochmal einen Fass aufmachen was gut bedeutet und ja dass wir geliebt sind
00:25:10: Bestimmt total wertvoll, mit so einem Kompass durchs Leben zu gehen.
00:25:14: Danke Katharina für deine beruflichen und auch persönlichen Erfahrungen!
00:25:17: Und danke euch da draußen fürs Zuhören dabei sein um Mitfühlen.
00:25:21: Falls ihr dieses Gefühl kennt nicht mehr die Person zu sein die ihr mal wart dann möchten wir euch gerne ermutigen das nicht als Defizit zu sehen sondern als Zeichen für einen tiefen Einschnitt im Leben und für die riesige Lücke die der geliebte Mensch hinterlassen hat.
00:25:35: Für manche ist es vielleicht sogar eine kleine Chance auf einem schmerzhaften Weg, sich besser kennenzulernen.
00:25:41: Ein gnädiges Verhältnis zu sich selbst zu entwickeln und ein paar Weichen neuzustellen.
00:25:46: Ein schwerer Verlust verändert auch das Selbstbild und die Rollen in die wir schlüpfen – und das ist auch angemessen!
00:25:53: Wenn ihr Fragen habt oder eure Erfahrungen mit uns teilen mögt, schreibt uns gerne auf Instagram oder per Mail an post-at nicolaides-youngwings.de.
00:26:02: Wir freuen uns, mit euch in Kontakt zu kommen.
00:26:06: Eine nächste Folge wird es vorerst nicht geben.
00:26:08: Wir sind am Ende dieser Staffel angelangt und freuen uns sehr, dass wir ein Stück des Weges mit euch gehen durften!
00:26:13: Wenn dieser Podcast hilfreich für euch war – und ihr der Meinung seid, andere Trauerndes sollten auch davon erfahren – dann lasst uns gerne eine Bewertung da oder teilt die Folgen in euren sozialen Netzwerken.
00:26:25: Impulse von eurem Trau-Prozess geben wir weiterhin in unserem Newsletter Stiftungspost.
00:26:30: Den Link dazu findet ihr in den Schoenurts.
00:26:33: Wir wünschen euch alles Gute für die nächsten kleinen und großen Schritte.
00:26:38: Seid nett zu Euch und passt gut auf Euch auf!