Reaktionen des Umfeldes | Für sich einstehen in der Trauer
Shownotes
"Die Zeit heilt alle Wunden." Das ist nur einer von vielen verletzenden Sätzen, die junge Trauernde oft zu hören bekommen. Nach einem Verlust stellen viele von ihnen fest, dass sich ihr soziales Umfeld anders verhält, als sie es sich wünschen würden und sie es in dieser schweren Zeit brauchen: manchmal distanziert, manchmal schweigend, manchmal ratschlagend. Wir sprechen in der aktuellen Folge von "Weiterleben Weiterlieben" über die Reaktionen, mit denen junge Trauernde nach dem Tod eines geliebten Menschen umgehen müssen. Und wir geben Ideen an die Hand, wie man ihnen begegnen kann. Imuls für euch: eine Selbstreflektionsübung, um eigene Bedürfnisse zu identifizieren (und vielleicht auch zu kommunizieren).
Denn: Obwohl viele der Reaktionen gut gemeint sind, zeigen sie doch, wie hilflos und sprachlos Freundinnen, Bekannte oder Kolleginnen manchmal sind. Wann es gut ist, Grenzen zu setzen oder Bedürfnisse zu kommunizieren, warum Trauernde so oft auf Schweigen, Relativierungen, Distanz oder unrealistische Erwartungen stoßen und wie sie sich dazu verhalten können, darüber spricht Host Lisa mit der Trauerbegleiterin Birgit Frank.
Wer seinen Freundinnen, Verwandten oder Kolleginnen ein hilfreiches Buch an die Hand geben mag, dem sei dieses hier empfohlen: Chris Paul - Wir leben mit deiner Trauer.
WER WIR SIND
Die Nicolaidis YoungWings Stiftung begleitet seit vielen Jahren junge Menschen in einer der schwersten Phasen ihres Lebens – in der Trauer um einen geliebten Menschen. Wir wissen, wovon wir reden, auf professioneller Ebene und aus eigener Erfahrung.
Gastgeberin Lisa arbeitet als systemische Beraterin bei der Stiftung, außerdem ist sie Wissenschaftsjournalistin bei Nerdpol. Zu Gast in dieser Folge ist die systemische Beraterin und Trauerbegleiterin Birgit Frank. Sie unterstützt junge Trauernde in Einzelgesprächen, Trauergruppen, bei Seminaren und Freizeitangeboten.
GUT ZU WISSEN
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IM HINTERGRUND
Redaktion: Sonja Schwalb
Technik & Sound: Henning Hoffmann-Heyden
Förderung: Dieser Podcast wird gefördert durch die Landeshauptstadt München – Münchner Sozialstiftung
Transkript anzeigen
Du bist so stark, ich könnte das ja nicht. Du musst endlich loslassen und nach vorne schauen. Du wirst schon sehen, die Zeit heilt alle Wunden. Das sind so Sprüche, die Menschen nach einem schweren Verlust manchmal im Freundes-, Bekannten- oder Kollegenkreis zu hören bekommen. Wahrscheinlich sind sie in den meisten Fällen tröstlich gemeint.
Aber deshalb sind diese Sätze für Betroffene nicht weniger verletzend. Sie drücken aus, wie hilflos sprachlos oder ahnungslos das Umfeld teilweise ist. Warum Trauernde oft auf Schweigen, Relativierungen oder Distanz stoßen und wie sie sich dazu verhalten können, darüber sprechen wir in dieser Folge von Weiterleben, Weiterlieben.
Wir, das sind meine Gästin Birgit Frank und ich, Lisa Auffenberg. Wir arbeiten beide als systemische Beraterin und Trauerbegleiterinnen bei der Nicolaides YoungWings Stiftung. Und wir wollen uns heute darüber unterhalten, welche Reaktionen im Umfeld typisch und häufig auch belastend sind. Am Ende geben wir euch wie in jeder Folge eine kleine Übung mit, die helfen kann, sich klarer zu werden, was man von den Menschen um einen herum braucht und was nicht.
Hallo Birgit, schön, dass du da bist.
Hallo Lisa.
Wir starten hier im Podcast ja mit der immer gleichen Frage, die heute auch an dich geht. Was hast du über Trauer gelernt, beruflich oder auch persönlich?
Ich habe sehr viel gelernt und ich lerne nach wie vor auch noch viel dazu. Vor allem lerne ich immer dazu, wie unterschiedlich und wie individuell jeder trauert. Und was ich auch sehr spannend finde, ist, wie unterschiedlich in jeder Kultur und in der Religion auch die Trauer anders gelebt wird und wie sie manchmal nicht wie in Deutschland ein Tabuthema ist, sondern wie sie laut und bunt sein darf.
Viele Betroffene machen ja die Erfahrung, dass sich einzelne Freunde nach dem Verlust irgendwann zurückziehen, dass es unrealistische Erwartungen am Arbeitsplatz gibt oder dass Nachbarn Bekannte Vereinskolleginnen distanziert oder anmaßend sogar reagieren. Was kennst du aus den Begleitungen, was begegnet den Trauernden häufig?
Die Reaktionen von dem Umfeld sind sehr, sehr unterschiedlich teilweise von großer Akzeptanz und Empathie aber dann auch zu Unverständnis. Die Menschen um einen rum oder auch wie vielleicht Arbeitskollegen sind ganz oft sprachlos.
Der Verstorbene wird überhaupt nicht mehr thematisiert, sondern es werden ganz unpassende Themen vielleicht angesprochen Außerdem nehmen die Menschen um den Trauernden herum vielleicht den Schmerz nicht mehr so ernst. Teilweise wird auch der Trauerweg nicht akzeptiert. Zum Beispiel, wie schnell der Trauernde wieder arbeiten geht, wird von dem Umfeld kritisch beäugt. Die Erwartungen gibt es, wie man richtig trauert und der Trauernde hat das Gefühl, alles falsch zu machen.
In den Trauergruppen hier in der Stiftung erzählen sich die Teilnehmenden manchmal die blödesten Kommentare, die sie in ihrem Umfeld zu hören bekommen. Hast du da ein paar besonders im Kopf? Gibt es irgendwelche in Anführungszeichen Klassiker, die immer wieder auftauchen?
Oh ja, da gibt es sicher einige. Klassiker sind, du bist ja noch so jung. Oder auch, ich könnte das nicht. Genauso hören sehr viele, ich weiß, wie es dir geht, mir ging es auch sehr schlecht, als ich meinen Job verloren habe. Das sind ja keine Einzelfälle, von denen du gerade erzählt hast. Das ist ja eher der Normalfall, dass Trauernde mit solchen Sprüchen konfrontiert sind.
Was glaubst du, warum passiert es so häufig, dass Menschen auf verletzende Art und Weise auf einen Verlust oder auf Trauer reagieren?
Ich denke, das liegt vor allem daran, dass die Menschen unbeholfen und unsicher sind. Solche Sätze sind sicher tröstend gemeint aber sie kommen natürlich nicht so an. Die meisten jungen Menschen haben sich nie mit Trauer auseinandersetzen müssen und wissen irgendwie auch nicht, wie das geht.
Viele Trauernde sagen, sie kennen niemanden der sowas mal erlebt hat. Das heißt, in dem Umfeld ist nicht bewusst, was es bedeutet, einen geliebten Menschen zu verlieren da sie zum Glück sowas noch nie erleben mussten. Wenn ein geliebter Mensch in den jungen Jahren verstirbt, dann passt die Trauer einfach nicht dazu.
Eine Trauernde hat mal zu mir gesagt, es ist kein cooles Thema. Alle anderen um mich herum heiraten und sind glücklich und ich trauere. Außerdem ist der Tod nach wie vor in Deutschland ein Tabuthema. Tod und Sterben sind kein beliebtes Thema in unserer Gesellschaft. Und ich denke auch, dass gerade das Schweigen daher entsteht, dass immer die Angst mitschwingt von den Menschen im Umfeld, dass mir das vielleicht auch mal passieren könnte. So ungefähr, oh, sowas kann mir auch passieren, dann schaue ich lieber gar nicht hin.
So dass man es gar nicht so heraufbeschwören möchte, so ein Schicksal. Genau so wie du das beschreibst klingt es so, als würden junge Trauernde auf noch weniger Verständnis stoßen, oder?
Ja, auf jeden Fall ist das so, da bei den jungen Menschen sehr wenig Erfahrung mit Trauer bisher gemacht worden ist und die jungen Menschen in der Rushhour des Lebens stehen und da die Trauer eben nicht dazu passt. Ich glaube, da ist eine ganz große Diskrepanz zur Lebensrealität der anderen Menschen um sie herum.
Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum Trauernde manchmal mit eher unrealistischen Erwartungen konfrontiert werden. Zum Beispiel, dass sie kurz nach dem Verlust wieder 24-Stunden-Schichten übernehmen sollen oder dass sie als Trauzeugin die Hochzeit einer Freundin mitorganisieren sollen, obwohl der eigene Verlobte vor wenigen Monaten gestorben ist. Oder dass sie nach einem Jahr doch bitte mal fertig mit dem lästigen Trauerthema sein sollen. Was würdest du sagen, was löst es bei den Betroffenen aus, wenn sie auf so ein Unverständnis stoßen?
Es löst vor allem Isolation aus, Einsamkeit. Die Trauernden haben das Gefühl, dass sie etwas falsch machen, dass sie etwas anders machen müssten.
Und es wirkt verletzend auch gegenüber dem Verstorbenen War der Verstorbene so unwichtig, dass jetzt niemand mehr über ihn spricht, dass alles im Umfeld seinen normalen Gang weitergeht? War die Beziehung zu ihm so unbedeutend, dass alle denken, man könnte schon wieder zum Alltag übergehen? Die Größe der Lücke wird aberkannt und dieses Unverständnis löst auch aus, dass die Trauernden selbst aktiv werden müssen.
Sie müssen Brücken bauen, sie müssen erklären. Den anderen die Ohnmacht nehmen, obwohl ihnen eigentlich die Kraft dazu fehlt und anfangs gar nicht in der Lage dazu sind. Aber ich finde es ist auch wichtig zu sagen, dass es für manche Trauernde auch keine unrealistischen Erwartungen sind. Es gibt auch Trauernde, die das brauchen und die das möchten und die genau sowas suchen, zum Beispiel wie eine 24-Stunden-Schicht in der Trauer
Das bedeutet, dass es für manche Trauernde hilfreich ist, auch in Anführungszeichen normal behandelt zu werden und dass es auch Anforderungen gibt, die weiter an sie gestellt werden?
Ganz genau. Und das macht es natürlich schwer für das Umfeld zu wissen, was der Trauernde gerade braucht.
Manche Trauernde ziehen sich eher zurück und zum Teil kommen dann Vorwürfe aus dem Umfeld. Oder sie meldet sich gar nicht mehr oder kommt zu keinem Treffen. Warum gibt es manchmal das Bedürfnis danach, sich einzuigeln, obwohl die Einsamkeit ja eigentlich riesig ist, so wie du es gerade beschrieben hast?
Die meisten Trauernden ziehen sich zurück aus Angst, etwas nicht richtig zu machen. Oder auch aus Angst, vielleicht plötzlich von der Trauer übermannt zu werden, wenn sie unter Menschen sind. Genauso teilweise auch aus Schamgefühl. Und ganz oft ist auch der Grund, dass sie völlig überlastet sind. Zum Beispiel die junge Mutter, deren Mann gerade gestorben ist, die vielleicht zwei kleine Kinder zu Hause hat und noch arbeiten muss, der wird das dann sehr, sehr schnell alles viel zu viel und möchte sich dann eigentlich nur zurückziehen Außerdem sind die Trauernden verunsichert, was dürfen sie, was dürfen sie nicht, was ist richtig, was ist falsch.
Viele Trauernden sind sehr orientierungslos, das Selbstwertgefühl in der Trauer ist eh angeschlagen, die Reaktionen der anderen setzen noch einen obendrauf. Also ist für manche Rückzug eine Zeit lang notwendig.
Wie hast du das persönlich erlebt, Birgit? Du hast ja auch Verlusterfahrung Wie hat dein Umfeld reagiert und was hat es mit dir gemacht?
Ich war zunächst auch völlig überlastet und habe versucht zu funktionieren. Als mein Mann gestorben ist, waren meine drei Jungs noch sehr klein. Die Welt um mich herum hat sich weitergedreht aber ich habe mich nicht mehr dazugehörig gefühlt und habe mich dann auch zurückgezogen Ich konnte sehr lange nicht unter Menschen gehen oder weggehen Und ich habe sehr unterschiedliche Erfahrungen mit meinem Umfeld gemacht.
Es haben sich teilweise Freunde verabschiedet, aber es sind genauso auch neue dazugekommen. Ich glaube auch, das ist ein Stück weit normal, weil ich mich ja auch als Trauernde selber verändert habe. Was für mich zum Beispiel immer ganz toll war, ist, wenn mir einfach jemand Essen vor die Tür gestellt hat oder auch meine Freundinnen, mit denen ich früher weggegangen bin, die dann zu mir kamen und bei mir gekocht haben, alles mitgebracht haben und ich mich um nichts kümmern musste. Das hat mich sehr entlastet.
Das ist ein ganz wichtiger Punkt, den du da ansprichst, Birgit, weil nicht immer und natürlich nicht mit allen Menschen, es ist nach einem Verlust so schwierig, wie wir das gerade thematisiert haben. Manchmal gibt es ja auch eine riesige Hilfsbereitschaft, oberflächliche Freundschaften werden plötzlich ganz eng und tief oder wie bei dir, tauchen neue Menschen auf, die ganz wichtig und wertvoll sind. Wenn das bei mir jetzt anders ist, was kann ich tun, wenn ich das Gefühl habe, in meinem Freundes-, Bekannten- oder Arbeitskreis kann ich nicht über Trauer sprechen? Hat der oder die Verstorbene keinen Platz oder ich werde mit Erwartungen konfrontiert, die ich nicht erfüllen kann oder möchte. Zum Beispiel die, das begegnet Trauernden ja häufig, dass ich mich ganz als die Alte oder der Alte verhalte, sodass es für den Rest reibungslos weiterlaufen kann. Wie kann ich mich dazu verhalten?
Hilfreich ist sicher, wenn ich darüber spreche, wenn ich versuche zu kommunizieren, was mir gut tut oder was mir nicht gut tut, was aber natürlich auch für die Trauernden sehr schwer ist zu wissen. Ich glaube, man muss eine gute Balance finden zwischen Ruhe und Rückzug oder unter die Leute gehen.
Ich erlebe in den Begleitungen häufiger, dass sich die Trauernden ein Ziel setzen, zum Beispiel dass sie einmal pro Woche jemanden treffen oder unter Menschen gehen und sei es dann auch nur in der Trauergruppe Es ist sicherlich hilfreich, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Dort Kontakte zu knüpfen oder vielleicht auch Freundschaften zu finden, das stärkt die Trauernden.
Sie können so Räume schaffen, in denen sie über den Verstorbenen sprechen können, über den Schmerz sprechen können und haben so vielleicht einen ganz geschützten Raum, wo all dieses Platz haben kann. Was auch hilfreich sein kann, ist, sich die Rückversicherung zu holen Ist es okay, dass es mir mal nicht gut geht? Ist es okay, dass ich nicht funktioniere? Viele Trauernde überlegen sich, was würde denn der Verstorbene sagen, was würde der Verstorbene mir raten Wie würde er auf mich schauen oder wie würde er mich stärken?
Stärkt einem das den Rücken, sodass man dann auch besser für sich einstehen kann?
Ja, also zum Beispiel für mich war das total wichtig und hilfreich zu überlegen, was mein Mann mir raten würde, wie er auf mich schaut. Und so konnte ich mich dann auch viel besser abgrenzen. Ich konnte für mich Entscheidungen treffen, vielleicht auch, welche Personen mir guttun oder welche mir nicht guttun.
Das ist nach einem schweren Verlust ja gar nicht so leicht zu merken was braucht man, was braucht man nicht. Man hat so eine extreme Situation in den meisten Fällen noch nie erlebt und kennt sich selbst überhaupt nicht darin. Um ein besseres Gefühl für die eigenen Bedürfnisse zu kriegen und sie dann auch leichter formulieren zu können. Dafür hast du Birgit, uns jetzt noch eine Übung mitgebracht.
Im Prinzip geht es um eine Selbstreflexion. Es kann hilfreich sein, sich die Zeit zu nehmen, am besten mit Stift und Block, und in sich reinzuspüren. Was brauche ich? Was tut mir gut? Ich weiß das vielleicht nicht sofort, aber wenn ich mich wirklich mal konkret damit auseinandersetze, dann kommen mir vielleicht auch die Ideen.
Und wenn es dann auch nur Ideen sind, Das, was ich nicht möchte. Also ganz konkret heißt das, ich führe verschiedene Satzanfänge fort. Zum Beispiel, mir ist wichtig, dass... Mir ist wichtig, dass... dass wir im Freundeskreis weiterhin über meinen verstorbenen Mann sprechen und dass er Teil ist von unseren Treffen.
Das wäre jetzt mal so als Beispiel. Und die Satzanfänge können sein, wie ich gerade schon gesagt habe, mir ist wichtig, dass... Ich brauche, es fällt mir schwer, ich wünsche mir das, es verletzt mich, wenn oder auch mir tut es nicht gut, wenn.
Das heißt, es geht sowohl darum, eine positive Idee davon zu bekommen, was brauche ich, was tut mir gut, aber auch eine Klarheit darüber zu kriegen, wo muss ich mich abgrenzen, wo muss ich mich schützen.
Ganz genau, manchen fällt es leichter vielleicht zu sagen, was will ich nicht, aber hilfreich ist es, wenn ich beide Richtungen habe, was will ich und was will ich nicht.
Du hast gesagt, es geht um Selbstreflektion, also erstmal für mich selber herauszufinden, worum geht es mir da eigentlich. Würdest du sagen, dass sich diese Erkenntnisse auch eignen, um damit an Freunde oder Bekannte heranzutreten und konkrete Wünsche zu formulieren?
Also das kann man sicherlich machen. Ich glaube, das ist ganz stark Typsache, ob ich das machen möchte oder nicht. Manche Trauernden machen das. Sie schicken Mails rum mit den wichtigsten Punkten Es gibt sogar auch sogenannte Spickzettel im Internet, die man sich runterladen kann. Auf denen steht dann zum Beispiel sowas wie Mit Trauernden sollte man Geduld haben, Stille aushalten, nichts persönlich nehmen.
Ob das gut passend ist, das muss ich sicherlich für mich selber rausfinden als Trauernde. Ob ich jetzt jemandem einen Spickzettel einen sogenannten Spickzettel schicken will oder ob ich vielleicht auch jemandem einen persönlichen Brief schreiben möchte und meine Wünsche äußere oder ob ich das wirklich nur als Selbstreflexion mache und für mich behalte, das ist wie gesagt sicherlich Typsache. Also es ist wie immer sehr individuell.
Birgit, wir haben nicht nur zum Einstieg auch zum Abschluss eine Art Ritual Wir haben hier Impuls bzw. Ressourcenkarten. Von denen darfst du eine ziehen und spontan darauf antworten Bitte sehr.
Oh ja, sehr gerne.
Einmal vorlesen bitte.
Wenn du dir ein Krafttier aussuchen könntest, welches würde gerade besonders zu dir passen?
Mein Krafttier, das ist der Elefant. Der Elefant der strahlt so viel Ruhe Größe und Kraft aus. Ja, das würde ich mir sofort aussuchen.
Danke Birgit, auch für deine Erfahrungen und treffenden Worte. Und danke euch da draußen fürs Dabeisein Einlassen und Mitfühlen. Falls ihr auch manchmal verletzende Reaktionen in eurem Umfeld erlebt, dann ist beim Zuhören hoffentlich deutlich geworden, dass das kein persönliches Problem ist, das nur mit euch zu tun hat.
Nicht die Trauer ist das Problem, sondern der gesellschaftliche Umgang damit. Nicht Trauernde sollten sich anpassen oder verändern müssen, sondern der Raum, der ihnen zugestanden wird. Wir wünschen euch sehr, dass ihr Menschen um euch habt, die euch mit Rücksicht Geduld, Akzeptanz und Offenheit begegnen.
Oder dass ihr sie bald findet, vielleicht auch in anderen Trauernden. Wenn ihr Fragen habt oder eure Erfahrungen mit uns teilen wollt, schreibt uns gerne auf Instagram oder per Mail an post@nicolaidis-youngwings.de In der nächsten Folge geht es um Ängste. Zum Beispiel Existenzängste, Zukunftsängste oder Verlustängste.
Mit meiner Kollegin Nina Silber spreche ich darüber, warum sie nach einem schweren Verlust häufig anklopfen und wie man es schafft, dass sie einen nicht völlig vereinnahmen. Wir freuen uns, wenn ihr wieder dabei seid. Bis dahin passt gut auf euch auf.
Weiterleben, weiterlieben. Ein Podcast der Nicolaidis YoungWings Stiftung, gefördert von der Münchner Sozialstiftung.